„Fussverkehrsförderung ist ein Top-Thema“

10. Juni 2016

Freiwillige beim Fussverkehrs-Check in Goeppingen 2015
Bildquelle: Andrea Toll

Wie können Fußwege attraktiver und sicherer gestaltet werden, sodass mehr Menschen zu Fuß gehen? Acht Kommunen in Baden-Württemberg führen mit Unterstützung des Verkehrsministeriums 2016 wieder einen Fußverkehrs-Check durch.

An der erfolgreichen Pilotierung der Maßnahme im Vorjahr nahmen bereits 15 Kommunen teil. Vertreter aus Politik und Verwaltung sowie Bürgerinnen und Bürger prüften in gemeinsamen Begehungen die Qualität der Fußwege und entwickelten in Workshops neue Ideen zur Stärkung des Fußverkehrs. Dr. Juliane Korn von der NVBW erläutert die Ergebnisse und gibt einen Ausblick auf zukünftige Projekte.

Welche Bilanz ziehen Sie aus den bereits erfolgten Fußverkehrs-Checks?
Die Fußverkehrs-Checks stießen von Anfang an auf eine unglaubliche Resonanz. Über 60 Städte und Gemeinden haben sich 2015 um die Maßnahme beworben. In den dann 15 ausgewählten Kommunen nahmen über 500 Menschen an den Begehungen teil. Am Ende gab es rund 300 konkrete Vorschläge für Verbesserungen auf den Begehungsrouten, das sind etwa 20 pro Kommune. Auch die Medien haben den Fußverkehr als Top-Thema auf die Agenda gesetzt. Allein in den Regionalzeitungen haben wir über 160 Artikel zu den Begehungen und den verschiedenen Workshops gezählt. Schon diese Zahlen zeigen uns, wie wichtig sichere und attraktive Fußwege für die Menschen in Baden-Württemberg sind. Deshalb werden die Fußverkehrs-Checks jetzt auch wiederholt. Sie bieten den Kommunen eine ideale Möglichkeit, mit überschaubarem Planungsaufwand den Fußverkehr auf lokaler Ebene ein gutes Stück voranzubringen.

Gibt es konkrete Ergebnisse, die auf andere Kommunen übertragbar sind?
Fußverkehr ist ein kommunales Thema mit vielen Facetten und insofern recht individuell. Dennoch haben wir vier besonders wichtige Themenfelder für die kommunale Fußverkehrsförderung ermittelt. Dazu gehören vor allem die Wege- und Aufenthaltsqualität und die Barrierefreiheit. Hier haben die gemeinsamen Begehungen ganz sicher ein neues Bewusstsein für die unterschiedlichen Bedürfnisse von Menschen geschaffen. Kinder beispielsweise wünschen sich unterwegs Spielangebote, ältere Menschen freuen sich über Sitzgelegenheiten, Gehbehinderte oder Rollstuhlfahrer wiederum brauchen abgesenkte Bordsteinkanten, Blinde benötigen taktile Strukturen und Ampeln mit Blindentasten. Die jeweiligen Bedürfnisse stehen manchmal einander entgegen. Aber der direkte, persönliche Austausch zwischen Bürgerinnen und Bürgern und den Vertretern aus Politik und Verwaltung hilft, vor Ort zu guten Lösungen zu kommen. Das gilt auch für die weiteren beiden Handlungsfelder, nämlich die Quantität und Qualität von Fußgängerquerungen und bestehende Konflikte mit dem Kfz-Verkehr. Neben hohen Geschwindigkeiten auf der Straße ist etwa das Parken auf Gehwegen ein Problem in nahezu allen Kommunen. Fußverkehrs-Checks machen solche Probleme deutlich – und sind somit als Maßnahme an sich auf jede Kommune übertragbar, auch ohne Beteiligung des Landes.

Wie geht es weiter?
Konkret liegt es jetzt an den beteiligten Kommunen, die Vorschläge aus den Fußverkehrs-Checks des vergangenen Jahres in Maßnahmen umzusetzen. Parallel geht es auf Landesebene weiter, zunächst mit Fußverkehrs-Checks in weiteren acht Kommunen. Darüber hinaus wollen wir Netzwerkstrukturen für die Fußverkehrsförderung schaffen, ähnlich wie beim Radverkehr. Erfahrungsaustausch und Wissenstransfer sind wichtig. Deshalb haben wir gerade eine Fachveranstaltung für Vertreter der kommunalen Verwaltung durchgeführt – weitere sollen folgen. Außerdem werden wir ein Grundlagendokument zum Fußverkehr und seiner Förderung erstellen – als Planungs- und Argumentationshilfe, um die Fußverkehrsförderung auf kommunaler Ebene zu unterstützen. Schließlich wollen wir in Anknüpfung an die Auftaktveranstaltung „Los geht’s!“ von 2015 im Jahr 2017 wieder eine landesweite Fachkonferenz durchführen und dann neue Erkenntnisse sowie innovative Konzepte zur Fußverkehrsförderung präsentieren.

Auf einen Blick:
•    Bis zum 1. Juli können sich interessierte Kommunen zur Teilnahme an den Fußverkehrs-Checks 2016 bewerben.
•    Informationen zum Ablauf der Fußverkehrs-Checks gibt das Ministerium für Verkehr und Infrastruktur.
•    Ein Praxis-Beispiel bietet eine Reportage aus Göppingen im Kundenmagazin „3-Löwen-Takt Aktiv“.
•    Bei der NVBW hat das Land eine Service- und Koordinierungsstelle für die Belange des Fußverkehrs auf Landesebene eingerichtet.

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