Neue Wege für den ÖPNV

26. Juli 2016

Kick-off-Veranstaltung in Geislingen zu neuen Wegen fuer den OEPNV
Bildquelle: Andrea Toll

Der Landkreis Göppingen hat das Land mit seinem Konzept für den „Innovativen ÖPNV im ländlichen Raum" überzeugt. Bei der Kick-off-Veranstaltung in Geislingen stellten die teilnehmenden Akteure das Modellprojekt vor.

Wie gestaltet man einen attraktiven, zukunftsorientierten ÖPNV im ländlichen Raum, der eine wirkliche Alternative zum Auto bietet? Wie lassen sich Querverbindungen zwischen dichter und schwächer besiedelten Räumen herstellen? Hierfür praktische wie fahrgastfreundliche Lösungen zu finden, hat sich der Landkreis Göppingen auf die Fahne geschrieben. Er entwickelte ein Konzept für den Modellraum Geislingen und gewann damit die Ausschreibung des Landes, das das Projekt über zweieinhalb Jahre mit knapp einer Million Euro fördert. Die Erwartungen der Städte, Gemeinden und Verkehrsunternehmen sind hoch. Landrat Edgar Wolff forderte beim Kickoff alle auf, die Chance zu nutzen, einen zukunftsorientierten ÖPNV mitzugestalten und gemeinsam neue Wege zu gehen.

Neue Ansätze und Ideen, die in ganz Baden-Württemberg umgesetzt werden können, erhofft sich auch das Land. „Wir haben uns unter anderem für diesen Vorschlag entschieden, da er den ÖPNV, die sozialen Fahrdienste und Krankenfahrten zusammenführt. Bislang gab es zwischen diesen Akteuren keine Berührungspunkte. Dass hier nun eine Zusammenarbeit entstehen soll, ist innovativ und sehr interessant", erklärt Dr. Martin Schiefelbusch von der Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg (NVBW) am Rande der Veranstaltung. Er begleitet das Vorhaben vonseiten des Landes und berät die Projektteilnehmer. Ein weiteres Kriterium sei gewesen, dass das Modellprojekt recht kurzfristig realisierbar sei und so auch spürbare Ergebnisse für die Fahrgäste liefere.

Mobilitätsgarantie in Baden-Württemberg
Insgesamt spielt die Vernetzung unterschiedlicher Anbieter bei diesem Projekt eine wesentliche Rolle. Mobilitätsketten sowie flexible Angebote sollen geschaffen werden, um die Mobilitätsgarantie zu gewährleisten. Und auch das ist etwas völlig Neues: „Bürger sollen die Sicherheit haben, von jedem Ort aus im Stundentakt überall im Land mit öffentlichen Verkehrsmitteln hinzukommen – von 5 bis 24 Uhr", betont Dr. Felix Berschin von der Nahverkehrsberatung Südwest. „Zu diesem Versprechen müssen wir stehen", fügt der externe Berater hinzu. Wesentlicher Bestandteil sei dabei die Kommunikation und Information der Bürger. „Man muss mit den Leuten reden. Es reicht nicht, einen Fahrplan an die Wand zu nageln", bekräftigt Berschin mit Nachdruck.

Das wissen auch die Projektteilnehmer. Der Plan ist, eine Mobilitätszentrale aufzubauen. Bis 2017/2018 wird das Zentrum im Bahnhof Geislingen entstehen. Hier sollen die Fahrgäste zukünftig Fahrkarten kaufen und sich über Mobilitätsangebote informieren können, möglichst von 8 bis 22 Uhr. Von dieser zentralen Anlaufstelle aus werden darüber hinaus die Verkehre disponiert und unterschiedliche Dienstleistungen organisiert.

Wissenschaftliche Begleitung
Neben der fachlichen Unterstützung des Landes konnten die Projektpartner die Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen gewinnen, das Projekt wissenschaftlich zu begleiten. „Das ist ein hochspannendes Vorhaben für uns", wie Professor Sven Kesselring erklärte, „auch deswegen, weil über Mobilität im ländlichen Raum noch nicht geforscht wurde." Verbesserte, vernetzte Mobilitätsangebote seien in den Städten schon sichtbar, die ländlichen Regionen stünden hier erst am Anfang – so wie das Modellvorhaben Geislingen.

Quelle: Textwerkstatt Andrea Toll

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