Vernetzte Mobilität gewinnt an Bedeutung

17. August 2016

ADFC Verbund-Faltrad
Bildquelle: KVV / ARTIS DECK

Flexibel von einem Ort zum anderen genau wie mit dem Auto: So lautet der Anspruch, den die Fahrgäste an den öffentlichen Nahverkehr stellen. Die Verkehrsunternehmen in Baden-Württemberg setzen deshalb zunehmend auf vernetzte Mobilitätsdienstleistungen. Carsharing- und Fahrradverleihsysteme ergänzen vielerorts das Angebot von Bussen und Bahnen. Moderne Informations- und Kommunikationstechnologien unterstützen die intermodale Fahrtenplanung und die kombinierte Nutzung der verschiedenen Verkehrsmittel.

Vor allem in Städten und Ballungsräumen stellen die Verkehrsunternehmen ihre Angebote auf vernetzte Mobilitätsdienstleistungen um. Ein gutes Beispiel dafür ist der Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart (VVS) mit der polygoCard. Die praktische Chipkarte ersetzt für Abonnementkunden nicht nur den bisherigen Papierfahrschein, sondern sie bietet auch ein deutliches Plus an Leistungen, indem sie das Nahverkehrsticket mit Mobilitätsdiensten wie Carsharing und Radverleih kombiniert und darüber hinaus beispielsweise auch als Büchereiausweis oder als Parkkarte fungiert. Rund ein Jahr nach dem offiziellen Start wurde im Juni 2016 die 200 000. polygoCard vom VVS-Vertriebspartner Deutsche Bahn ausgegeben. Bis zum Frühjahr 2017 sollen 250 000 polygoCards vorwiegend im VVS-Abo im Umlauf sein. Auf der polygo-Website können sich Kunden über alle Angebote und Funktionen der Chipkarte informieren. Die Seite soll mittelfristig auch einen Routenplaner für die intermodale Fahrtenplanung bieten.

Es gibt einen deutlichen Trend dahin, dass multimodale Mobilitätsdienstleistungen in einem einheitlichen Tarifrahmen weiterhin an Bedeutung gewinnen. Das belegen nicht zuletzt zahlreiche Studien zur Zukunft der Mobilität, beispielsweise vom Institut für Mobilitätsforschung ifmo oder vom Bundesverband Deutscher Unternehmensberater, der bereits im Jahr 2014 das Marktvolumen für neue Mobilitätsdienstleistungen bundesweit auf acht Milliarden Euro schätzte.

Mit Bus, Bahn und Fahrrad
Für den öffentlichen Nahverkehr rückt insbesondere die vernetzte Mobilität im Umweltverbund in den Fokus. Das Bus- und Bahnangebot wird gezielt mit dem Radverkehr und einem modernen Fußverkehr  verknüpft. In diesem Sinne werden Fahrradstellplätze an zentralen Bus- und Bahnstationen gebaut oder weitere Möglichkeiten zur Fahrradmitnahme in Bussen und Zügen geschaffen. So ist zum Beispiel in der Region Stuttgart ein Netz von e-Bike-Stationen eingerichtet worden, das einen direkten Umstieg von der Bahn auf Zweiräder mit elektrischer Antriebsunterstützung möglich macht. Im Rems-Murr-Kreis ging das Pilotprojekt „Fahrrad2Go“ an den Start. Linienbusse wurden mit einem neuartigen Fahrradhalterungssystem und einem speziellen zusätzlichen Fahrradträger im Heckbereich ausgestattet. Darüber hinaus führten die Verkehrsverbünde bodo, DING und naldo, KVV, VRN und VVS gemeinsam mit dem ADFC Baden-Württemberg die sogenannten „Verbund-Falträder“ ein und schufen damit insbesondere für Berufspendler eine attraktive Möglichkeit, Rad- und Bahnfahren zu kombinieren. Denn als Gepäckstücke können die Falträder selbst zur Rush-Hour in voll besetzten Zügen kostenlos mitgenommen werden.

Nachhaltig Mobile Region Stuttgart (NAMOREG)
Die umfassenden Möglichkeiten multimodaler Mobilität testet Baden-Württemberg seit 2011 insbesondere im Rahmen der Initiative Nachhaltig Mobile Region Stuttgart (NAMOREG). NAMOREG beinhaltet unter anderem Projekte in den Bereichen e-Bürgerbus, regionale Expressbusse, Siedlung und Verkehr, Park & Ride oder Reduzierung des Verkehrsaufkommens in einem Stadtteil. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auch auf dem Ausbau von Echtzeitinformationen, die sämtliche Daten zur aktuellen Verkehrslage übermitteln – ganz gleich, ob man mit Bus oder Bahn, dem Auto oder dem Fahrrad unterwegs ist. Per Smartphone-App soll auch der Wechsel zwischen Bahn, Bus, Leihauto oder Fahrrad besonders einfach funktionieren.

Vernetzte Mobilität in ländlichen Regionen
„Initiativen wie NAMOREG zeigen deutlich, dass vernetzte Mobilitätsangebote nicht nur in städtischen Verdichtungsräumen, sondern gerade auch im Übergang in den ländlichen Raum wichtig und gefragt sind“, stellt Dr. Martin Schiefelbusch von der NVBW fest. Dem trägt zum Beispiel auch das EU-Projekt „RAMSES: Ländliche Mobilität 2.0“ Rechnung, das in Baden-Württemberg implementiert und getestet wird. Auf einer Online-Plattform werden die Angebote öffentlicher Verkehrsunternehmen, innovative Bedienkonzepte wie Bürgerbusse oder Bürgerrufautos und alternative Angebote wir Car- oder Bikesharing zusammengebracht. Die NVBW ist Praxispartner im Projekt RAMSES. Sie bildet im Konsortium die Schnittstelle zu den Anwendern der Plattform und erörtert gemeinsam mit den lokalen Initiativen die Anforderungen an die Software.

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