e-Mobilität erobert den ländlichen Raum

24. August 2016

emma in Meckenbeuren
Bildquelle: Bernd Hasenfratz

Ob „emma“ oder „Eberbus“ – die ländlichen Regionen Baden-Württembergs setzen verstärkt auf innovative Elektromobilität. Ziel ist es, den öffentlichen Nahverkehr gezielt zu ergänzen und dabei auch individuellen Mobilitätsansprüchen gerecht zu werden. Das Mobilitätsprojekt „emma“ in Friedrichshafen und im Bodenseekreis will jetzt nach 2,5 Jahren Pilotierung in den Realbetrieb starten. Darüber hinaus etablieren sich in vielen Kommunen Bürgerfahrdienste mit Elektroautos. Auch der erste e-Bürgerbus ist bereits unterwegs.

Rund 35 Einzelprojekte erforschen im Rahmen des baden-württembergischen Schaufensters Elektromobilität LivingLab BW mobil die derzeit möglichen Anwendungsformen von Elektromobilität im Alltag: vom e-Bike über das Elektroauto bis hin zu Nutzfahrzeugen und Plug-In-Hybridbussen. Dabei liegt ein besonderer Schwerpunkt auf innovativen Bedienkonzepten für den ländlichen Raum, die durch den gezielten Einsatz moderner Elektromobilität wirtschaftlich gestaltet und ausgebaut werden sollen.

„emma – e-mobil mit Anschluss“
So zeigt etwa das Projekt „emma – e-mobil mit Anschluss“ in Friedrichshafen und dem Bodenseekreis die Möglichkeiten, die Elektromobilität für den Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs vorhält – gerade in einer Region wie dem Bodenseekreis, wo städtische Verdichtungsräume in den ländlichen Raum übergehen. Im Rahmen des Projekts ergänzen Elektrofahrzeuge, die im Carsharing-System genutzt werden können, das Nahverkehrsangebot überall dort, wo sonst kein oder nur selten ein Bus fährt. Dabei verfolgt „emma“ einen ganzheitlichen Ansatz: Auf Basis des bestehenden Nahverkehrsplans im Bodenseekreis wurden Fahrzeugstandorte ausgewählt und eine Ladeinfrastruktur entwickelt, die auch privaten E-Car-Besitzern zur Verfügung steht. Darüber hinaus gibt es einen komfortablen Routenplaner für die Fahrtenplanung mit Bus, Bahn und Elektroauto. „emma“-Kunden haben dadurch unterschiedliche Optionen: ein Carsharing-Elektroauto mieten oder sich als Mitfahrer anmelden, intermodale Reiserouten planen oder einfach nur Strom tanken. Nach der zweieinhalbjährigen Pilotierung wollen viele beteiligte Kommunen das Projekt in den Realbetrieb überführen. Basis dafür ist allerdings die vorhandene Ladeinfrastruktur, die für die Annahme des Carsharing-Angebots entscheidend ist. Wo diese nur teilweise gegeben ist, beispielsweise in Markdorf, soll „emma“ 2017 eingestellt werden. Zurzeit verfügt „emma“ über ein Netz mit 34 Ladestationen. Im Bodenseekreis haben sich 17 von 23 Städten und Gemeinden in das Angebot eingebunden, vier Ladesäulen befinden sich im Nachbar-Landkreis Ravensburg.

e-Bürgerautos und e-Busse
Eine wichtige Basis für den Ausbau der Elektromobilität und die vernetzte Mobilität in ländlichen Regionen bilden nicht zuletzt die ehrenamtlichen Bürgerfahrdienste, Bürgerautos und Bürgerbus-Projekte in Baden-Württemberg. Auf Basis der Infrastruktur, die durch „emma – e-mobil mit Anschluss“ eingerichtet wurde, ging beispielsweise im Jahr 2014 das BürgerMobil Meckenbeuren an den Start. Ein vollelektrischer Pkw, der ausschließlich mit Strom aus regenerativen Energiequellen gespeist wird, schließt Lücken im Fahrplan der Linienbusse und bindet auch entlegene Ortsteile an den Bahnhof der Stadt an.

Ebenfalls im Jahr 2014 startete im Rahmen des Ideenwettbewerbs Elektromobilität Ländlicher Raum die Initiative „Wir verbinden Boxberg“ mit einem umweltfreundlichen e-Bürgerauto, dessen Betrieb über die zweijährige Projektlaufzeit hinaus verstetigt werden konnte.

Der Ideenwettbewerb, den das Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg ausgelobt hatte, brachte insgesamt 20 e-mobile Demonstrationsvorhaben hervor – vom e-Carsharing über e-mobile Bürgerbusse und Ruftaxis bis hin zum Einsatz von Elektrofahrzeugen für die kommunale Grünpflege. Davon wurden 18 Projekte über die Pilotphase hinaus fortgeführt, so auch das „Elektro-Bürgerauto Oberreichenbach“, das bereits in der Pilotphase zu einem festen Bestandteil des Mobilitätsangebots der Schwarzwaldgemeinde wurde. Ein weiteres Beispiel ist der „E-Bus Baiersbronn“, der das ÖPNV-Angebot um lokale Linien für Bürger und Touristen erweitert und so die Teilorte der Gemeinde mit den Einrichtungen der Daseinsvorsorge im Kernort verbindet.

Modellprojekt „e-Bürgerbus“
Inzwischen ist auch der erste elektrisch betriebene Bürgerbus auf baden-württembergischen Straßen unterwegs: Das vom Land geförderte Modellprojekt "e-Bürgerbus" wird seit Mai 2016 als nachhaltiges Mobilitätskonzept für kleinere Städte und Gemeinden in der Region Stuttgart getestet. Im Einsatz ist der Bus in Ebersbach an der Fils, Salach, Uhingen und Wendlingen am Neckar. Projektpartner sind die Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg (NVBW), das Betriebswirtschaftliche Institut (Lehrstuhl für ABWL und Wirtschaftsinformatik II) und  das Institut für Eisenbahn- und Verkehrswesen der Universität Stuttgart sowie das Verkehrswissenschaftliche Institut Stuttgart (VWI). Das Land Baden-Württemberg fördert das Projekt im Rahmen des Programms NAMOREG (Nachhaltig mobile Region Stuttgart) und auch die beteiligten Kommunen unterstützen das Projekt. Der e-Bürgerbus in der Region Stuttgart soll das bestehende Bürgerbuskonzept für Baden-Württemberg weiterentwickeln und technische sowie betriebswirtschaftliche Entscheidungsvorlagen für neue Projekte liefern. Ziel ist es, einen Projektleitfaden für die erfolgreiche Implementierung von e-Bürgerbussen für interessierte Kommunen inklusive organisatorischer Hilfestellungen für die Gründung von Bürgerbusvereinen zu entwickeln.

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