Neue Verkehrsverträge stärken die Sicherheit im ÖPNV

16. September 2016

Sicherheitskamera
Bildquelle: bluedesign/Fotolia

Ereignisse wie die Anschläge von Würzburg, Ansbach, in der Schweiz und Vorarlberg sowie der Amoklauf in München rücken das Thema Sicherheit im öffentlichen Raum und insbesondere im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) in den Fokus. Das Land Baden-Württemberg setzt bei aktuellen und künftigen Ausschreibungen von Verkehrsleistungen im SPNV auf den verstärkten Einsatz von Zugbegleitern. Zudem sollen künftig immer mehr Züge mit Videotechnik ausgestattet werden.

Videoüberwachung im Regionalverkehr ist bislang nur in einigen kleineren neuen Verkehrsverträgen vorgeschrieben. Die Zahl der videoüberwachten Züge soll sukzessive mit der Inbetriebnahme neuer Verkehrsverträge auf alle Fahrzeuge ausgeweitet werden. Die Videoüberwachungen ermöglichen einen Überblick über den gesamten Fahrgastraum, eine Gesichtserkennung zu Ermittlungszwecken und eine Speicherung der Aufzeichnung über einen Zeitraum von 72 Stunden. Die Videoaufnahmen werden nur bei Straftaten eingesehen und nach Ablauf der Frist automatisch gelöscht. In den Netzen 2 (IRE Stuttgart – Lindau) und 5 (Donau – Ostalb) wird die Videoüberwachung des Fahrgastraumes im Zuge von Umbauten der Fahrzeuge bereits im Laufe des Jahres 2017 umgesetzt.

Positive Resonanz auf Videotechnik
Verkehrsminister Winfried Hermann wertet die Videoüberwachung als einen wichtigen Beitrag zur Sicherheit im Schienenpersonennahverkehr und verweist dazu auf eine aktuelle Forsa-Umfrage im Auftrag der Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen. Danach befürwortet eine überwältigende Mehrheit von 93 Prozent aller Bahnreisenden den Einsatz von Videokameras in Nahverkehrszügen zur Erhöhung der Sicherheit. Außerdem berichten Verkehrsunternehmen, die bereits Videoüberwachung einsetzen, von einem Rückgang an Vandalismus-Schäden und von positiven Rückmeldungen ihrer Fahrkartenkontrolleure.

Mehr Begleitpersonal in den Zügen
Bei den abgeschlossenen und noch in der Ausschreibung befindlichen Verkehrsleistungen im SPNV setzt das Land Baden-Württemberg auch auf mehr Sicherheit durch Begleitpersonal. In dem momentan noch geltenden großen Verkehrsvertrag ist nur eine Prüfquote von 20 Prozent der Züge vorgesehen, sofern diese nicht aus technischen Gründen permanent mit einem Zugbegleiter besetzt sind. Dies bedeutet, dass das Prüfpersonal wieder aussteigen kann, wenn es einmal alle Fahrgäste kontrolliert hat, auch wenn der Zug dann noch weiterfährt. Ab Oktober 2016 (Übergangsvertrag) wird diese Quote auf 25 Prozent der gefahrenen Zugkilometer erhöht.

Alle Begleit- und Prüfpersonale sind mit Mobiltelefonen ausgestattet, um im Notfall rasch das Sicherheitspersonal zu informieren. Das Personal muss sich regelmäßig Sicherheitsschulungen unterziehen und erhält jährlich Seminare zum Umgang mit herrenlosem Gepäck und verdächtigen Personen. Ab Dezember 2017 wird schließlich der Übergangsvertrag sukzessive durch die neu abgeschlossenen Verkehrsverträge abgelöst. Ab diesem Zeitpunkt wird deutlich mehr Begleit- und Prüfpersonal eingesetzt. Aber auch beim Übergangsvertrag wird momentan mit der Deutschen Bahn über den verstärkten Einsatz von Begleitpersonal nachverhandelt.

Doppelstreifen für besondere Einsätze
Im Gegensatz zu dem momentan noch geltenden sogenannten großen Verkehrsvertrag, wird in den bereits ab Oktober 2016 geltenden Übergangsverträgen ein Kontingent an speziell ausgebildetem Sicherheitspersonal mit Ersthelferausbildung in Doppelstreife für besonders problematische Züge vorgeschrieben, welches vorzugsweise abends und am Wochenende eingesetzt werden soll und nicht auf die in jedem Netz festgelegte Zugbeleiterquote angerechnet wird. Des Weiteren hat sich das Land in seinen Verkehrsverträgen offen gehalten, ein generelles Alkoholverbot in den Zügen auszusprechen, um auch damit die Sicherheit der Fahrgäste zu erhöhen.

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