Pläne für einen besseren grenzüberschreitenden Verkehr

11. September 2018

Quelle: pixabay.com / jsebouvi

Hermann: „Reaktivierungen von ehemaligen Bahnverbindungen zwischen Deutschland und Frankreich sind überfällig!“

Beim Runden Tisch am 10. September 2018 lag der Fokus auf grenzübergreifenden Lückenschlüssen über den Rhein. Sowohl zwischen den Städten Colmar und Breisach als auch zwischen Rastatt und Haguenau könnten dafür ehemalige Eisenbahnverbindungen reaktiviert werden. Auch der Rad- und Fußverkehr über den Rhein wäre durch sichere Rheinquerungen zu stärken. Dies haben circa fünfzig Vertreter aus den Nachbarländern am Oberrhein erörtert, die der Einladung von Verkehrsminister Winfried Hermann, MdL, und Landrat Dr. Christoph Schnaudigel, Vorsitzender der Kommission für Verkehr, Raumordnung und Katastrophenhilfe des Oberrheinrates, zum Runden Tisch „Grenzüberschreitende Verkehrsverbindungen am Oberrhein“ ins Landratsamt Karlsruhe gefolgt sind.

Den Grenzverkehr nachhaltig und umweltfreundlich gestalten

„Wenn ich in der Oberrheinregion unterwegs bin, wird oft von Nachhaltigkeit gesprochen. Beim grenzüberschreitenden Verkehrsangebot gibt es aber einige Lücken, insbesondere zwischen Baden-Württemberg auf deutscher und der Région Grand Est auf französischer Seite“, erläuterte Minister Hermann. „Die umweltfreundliche Alternativen zum Auto sind vielerorts nicht gegeben. Daher war es an der Zeit, sich zusammen mit den verantwortlichen Partnern an einen Tisch zu setzen, um diese Lücken Schritt für Schritt schließen zu können. 73 Jahre nach dem Ende des 2. Weltkrieges sollten wir die ehemaligen Brücken endlich wiederaufbauen.“ Ziel des Austausches ist vor allem gemeinsam prioritäre Vorhaben und Handlungsoptionen zu identifizieren, die das Potential haben, den Grenzverkehr nachhaltig zu verbessern und umweltfreundlich zu gestalten.

„Das Rheintal spielt für den nordsüdlich verlaufenden Rhein-Alpen-Korridor zwischen Rotterdam und Genua wie auch für den in West-Ost-Richtung verlaufenden Rhein-Donau-Korridor zwischen Paris und Budapest eine herausragende Rolle. Diese transnationalen Verkehrsachsen stellen hohe Ansprüche an die Schieneninfrastruktur, die in Teilbereichen wie der Appenweierer Kurve noch ertüchtigt werden müssen,“ betonte Landrat Dr. Schnaudigel. „Gut ausgebaute grenzüberschreitende Schienenstrecken sorgen für einen verbesserten Nahverkehr und verbinden Fernverkehrstrecken. Derzeit gibt es dafür noch zu wenige Verbindungen über den Rhein,“ so Dr. Schnaudigel weiter. Ihm gehe es darum, dieses Thema in das Bewusstsein auch der Regierungen der Länder beider Seiten des Rheins zu rücken, um konkret weiterzukommen.

Reaktivierung ehemals vorhandener Bahnverbindungen im Fokus

Mit Blick auf Potentiale und Realisierungschancen bestand bei den Teilnehmern Einigkeit, dass man sich gemeinsam auf die Reaktivierung ehemals vorhandener Bahnverbindungen fokussieren müsse. „Die im zweiten Weltkrieg zerstörte Eisenbahnbrücke zwischen den Städten Colmar und Breisach wäre nicht nur ein Symbol für die deutsch-französische Zusammenarbeit“, betonte Josef Frey, Präsident des Oberrheinrats und Mitglied des Landtags von Baden-Württemberg „sondern würde einen konkreten Mehrwehrt für die Wirtschaftskraft der gesamten Region und die Menschen vor Ort bringen.“ Nach der geplanten Schließung des Kernkraftwerks in Fessenheim soll ein deutsch-französischer Gewerbepark entstehen. Dieses gelte es multimodal anzubinden.

Zudem böte eine Schienenverbindung gerade Arbeitnehmern, die zwischen den Nachbarländern pendeln, ein umweltfreundliches Mobilitätsangebot, das die Verkehrssituation und die Umwelt vor Ort deutlich entlasten würde. Dasselbe gilt für die ehemalige Bahnverbindung zwischen den Städten Rastatt und Haguenau. „Die Infrastrukturen, Brücke und Gleise, sind hier noch vorhanden, müssten aber wieder Instand gesetzt werden“, stellte Rémi Bertrand, Vize-Präsident des Départements Bas-Rhin dar, „damit würde ein ‘missing link‘ zwischen Saarbrücken und Karlsruhe geschlossen und eine Verbindung der zentralen europäischen Schienenkorridore links und rechts des Rheins geschaffen“.

Verbesserung von Übergängen für den Rad- und Fußverkehr

Neben Verbindungen des öffentlichen Verkehrs spielt auch der Rad- und Fußverkehr über den Rhein eine wichtige Rolle, sowohl im Alltagsverkehr als auch im touristischen Verkehr. Eine Studie aus 2014 hat deutlich gemacht, dass sichere Übergänge für Radfahrer und Fußgänger entlang des Rheins zwischen Gambsheim und Lauterbourg fehlen. Mit dem derzeitigen Bau der Rad- und Fußverkehrsübergangs zwischen Gambsheim (F) und Rheinau (D) ist ein erster Schritt getan. Die Teilnehmer waren sich jedoch einig, dass auch die Übergänge zwischen Iffezheim (D) und Roppenheim (F) sowie Wintersdorf (D) und Beinheim (F) zu verbessern sind.

Für die Vorhaben sollen nun in einem ersten Schritt grenzüberschreitend Machbarkeitsstudien erstellt werden, um Kosten und Nutzen zu analysieren und die konkrete Umsetzung vorzubereiten. „Gerade bei den Reaktivierungen der Schienenstrecken handelt es sich nicht um rein lokale Vorhaben, sondern um überregionale Verbindungen und wichtige Lückenschlüsse in den europäischen Verkehrsnetzen“, betonte Minister Hermann. „Die Havarie bei der Rheintalbahn in Rastatt hat gezeigt, dass wir Ausweichstrecken und Querverbindungen für den Personen- und den Güterverkehr brauchen. Daher sind hier auch die Nationalstaaten und die Europäische Union gefragt“. Vor diesem Hintergrund wollen sich die Teilnehmer des Runden Tisches gemeinsam dafür einsetzen, dass die Lückenschlüsse auch die Unterstützung der nationalstaatlichen und europäischen Ebene erhalten.

Quelle: Ministerium für Verkehr Baden-Württemberg

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