Fussverkehrsförderung

Istockphoto

Hintergrund

Das Zufußgehen ist die natürlichste und selbstverständlichste Art der Fortbewegung. Es ist höchst umweltverträglich, gesundheitsfördernd und kostengünstig. Es fördert den sozialen Austausch und die Verkehrssicherheit und stärkt darüber hinaus die lokale Wirtschaft. Außerdem sind die eigenen Füße ein wichtiges Verkehrsmittel, um im Alltag mobil zu sein. Rund ein Viertel aller Wege in Baden-Württemberg wird zu Fuß zurückgelegt (vgl. MiD 2008).

Obwohl das Zufußgehen so viele positive Eigenschaften auf sich vereint und es im Mobilitätsgeschehen eine zentrale Rolle spielt, hat der Fußverkehr in Planung und Politik lange Zeit kaum Beachtung gefunden. Als Folge haben Fußgängerinnen und Fußgänger oft zu wenig Platz, sie sind Gefahren ausgesetzt, und es fehlt an Bewegungs- und Aufenthaltsqualität. Vor allem besonders sensible Personengruppen wie Senioren, Kinder oder mobilitätseingeschränkte Menschen leiden unter diesen Bedingungen und werden in ihrer selbstständigen Mobilität behindert.

Das soll sich in Baden-Württemberg nach dem Willen der Landesregierung ändern. Mit einer systematischen Fußverkehrsförderung möchte das Ministerium für Verkehr (VM) die täglichen Wege zu Fuß sicherer und attraktiver gestalten. Mittel- bis langfristig soll der landesweite Fußverkehrsanteil von derzeit etwa 23 Prozent auf 30 Prozent im Jahr 2030 gesteigert werden.

Als Einstieg in die systematische Fußverkehrsförderung hat das VM bei der NVBW eine Service- und Koordinierungsstelle eingerichtet, die für die Belange des Fußverkehrs auf Landesebene zuständig ist.
Der offizielle Startschuss für die systematische Fußverkehrsförderung in Baden-Württemberg fiel Ende Februar 2015 mit einer Auftaktveranstaltung „Los geht’s!“.

Die Handlungsfelder und ihre Ausgestaltung

Fußverkehrsförderung spielt sich hauptsächlich auf Ebene der Städte und Gemeinden ab. Die Aktivitäten des Landes sind daher darauf ausgerichtet, die Kommunen bei der Förderung des Fußverkehrs zu unterstützen. Vier Handlungsfelder hat das Land dabei im Blick:

Handlungsfeld 1

Landesweite Fußverkehrsmaßnahmen und Modellprojekte in Zusammenarbeit mit den Kommunen

Seit 2015 finden jedes Jahr in ausgewählten Kommunen des Landes Fußverkehrs-Checks statt. Bürgerinnen und Bürger, Verwaltung und Politik bewerten dabei im Dialog die Situation des Fußverkehrs vor Ort. In Workshops und Begehungen erfassen sie die Stärken und Schwächen im örtlichen Fußverkehr und erarbeiten einen Maßnahmenplan, um die Wege zu Fuß künftig noch attraktiver und sicherer zu gestalten. Die Fußverkehrs-Checks tragen dazu bei, den Fußverkehr stärker in das Bewusstsein zu rücken und eine neue Geh-Kultur zu entwickeln.

Downloads:

Handlungsfeld 2

Aufbau und Unterstützung von Netzwerkstrukturen

In der Arbeitsgemeinschaft Fahrradfreundlicher Kommunen e. V. (AGFK-BW) besteht seit 2016 eine AG Fußverkehr. Sie bearbeitet Fachthemen zum Fußverkehr und dient dem Erfahrungsaustausch.

Handlungsfeld 3

Service für die Kommunen

Hier geht es insbesondere darum, Wissen zu vermitteln und Erfahrungen zu teilen. Zum einen werden Arbeitshilfen zu ausgewählten Themen der Fußverkehrsförderung entwickelt (z.B. Leitfaden Fußverkehrs-Checks, Grundlagendokument Fußverkehr, Planungsleitfaden Fußgängerüberwege, Leitfaden zur kommunalen Fußverkehrsförderung). Zum anderen finden Fachveranstaltungen zum Fußverkehr statt (z.B. Fachseminare mit Begehung, Fußverkehrskonferenzen).

Downloads:

Handlungsfeld 4

Optimierung des rechtlichen und finanziellen Rahmens

Das Landesgemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (LGVFG) stellt das wichtigste Fördergesetz des Landes für kommunale Verkehrsinfrastruktur dar. Seit seiner Novellierung 2015 ist der Fußverkehr ein eigener Fördertatbestand.

Zu Anlage und Ausstattung von Fußgängerüberwegen ist ein Planungsleitfaden in Vorbereitung, der die bundesweit geltenden Richtlinien erläutert und ergänzt.